Endstation

Fünf Jahre, nachdem die erste Botschaft der Ranger auftauchte, sprechen seriöse Schätzungen von einer weltweiten Durchseuchungsrate von rund 70% aus. Das heißt, sieben von zehn Menschen sind unfruchtbar. Damit ein Virus die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen gleichermaßen beeinflusst, muss es an einem Punkt der Keimzellenproduktion ansetzen, der bei beiden Geschlechtern gleich ist.

 

Ein wichtiges Sexualhormon ist das sogenannte Follitropin, auch FSH, Follikel stimulierendes Hormon, genannt. Es wird im Vorderlappen der Hypophyse gebildet. Beim Mann regt es die Reifung von Spermien an, bei der Frau die der Eizellen. Fehlt dieses Hormon, zum Beispiel aufgrund einer Mutation im FSHB-Gen jener Zellen, die FSH produzieren, führt der daraus resultierende FSH-Mangel zu Unfruchtbarkeit, die sich allerdings durch die Gabe von künstlich synthetisiertem FSH ausgleichen lässt.

 

Nein, Usutu-2 geht geschickter vor und setzt direkt bei den Keimzellen an. Nach einer Infektion mit Usutu-2 sind die Spermien des Mannes und die Eizellen der Frau nicht mehr in der Lage, das Hormon zu erkennen. Sobald das Virus die Keimzelle kapert, mogelt die DNA des Virus sich in die DNA der Zelle ein und deaktiviert das Gen, das für den Rezeptor für FSH an der Außenseite der Zelle codiert. Das Hormon ist reichlich im Körper vorhanden, doch es wird von den Zellen, wo seine Aufgabe auf ihn wartet, nicht mehr erkannt und somit auch nicht eingelassen. Es ist, als habe Usutu-2 dem Türsteher der Keimzellen eine neue Gästeliste in die Hand gedrückt: Zutritt für FSH strengstens verboten.