Nach fünf Jahren

Mehr als siebzig Prozent der Menschen tragen das Virus in sich. Wer sich infiziert hat, wird früher oder später unfruchtbar.

Es werden noch Kinder geboren, doch die Geburtenzahlen brechen überall ein. Manche Menschen sehen darin allerdings kein Problem, ist die Erde nicht ohnehin schon überbevölkert? Ein paar Milliarden Menschen weniger schaden niemandem.

Und überall auf der Welt arbeiten Wissenschaftler fieberhaft an der Entwicklung eines Gegenmittels für Usutu-2. Alles wird gut.

 

Bis auf ein paar besorgte Demographen sieht niemand einen Grund zur Panik.

 

Die Ranger existieren offiziell nicht. Die UNO sowie die meisten Regierungen auf der Welt bestreiten, dass es überhaupt Außerirdische geben könnte, die unter uns leben. Doch viele Menschen glauben trotzdem an ihre Existenz. Niemand weiß, wie viele es sind, und niemand weiß, wie sie zu den Rangern stehen. Nehmen sie ihre Anwesenheit mit Gleichmut oder Resignation zur Kenntnis? Oder hassen und verabscheuen sie die Eindringlinge?

 

Immer wieder geraten Menschen oder Tiere in den Verdacht, ein Ranger zu sein, und werden von einem wütenden Mob gejagt, gefoltert und getötet. Weltweit hat es bereits mehr als tausend dieser Lynchmorde gegeben, und je weniger Kinder geboren werden, desto mehr werden es.

 

Demgegenüber stehen die Pretender, Menschen, die vorgeben, Ranger zu sein. Schon bald nach der ersten Botschaft, noch ehe man weiß, welche Auswirkung das Virus auf den menschlichen Körper hat, melden sich die Ersten zu Wort und bekannten: Ich bin ein Ranger. Hört mich an! Die Pretender treten entweder als zornige Verkünder des Untergangs auf und behaupten, sie seien gekommen, um die Menschen für ihre Sünden zu bestrafen. Oder sie geben sich sanft und verzeihend und verkünden, die Menschen erretten zu wollen. Manche dieser Pretender versammeln mittlerweile eine beachtliche Anhängerschar um sich. In der Anfangszeit schossen Gemeinschaften von Ranger-Gläubigen wie Pilze aus dem Boden, von denen viele quasi religiöse Züge trugen. Die größte von ihnen, die Ranger for the Humans, forderte ihre Anhänger auf, ihren gesamten Besitz ihrem Oberhaupt John Elton Smythe zu spenden, denn nur so könne die Menschheit die Schäden, die sie verursacht hat, beseitigen und sich von ihrer Schuld freikaufen. Drei Jahre später wurde John Elton Smythe auf seinem luxuriösen Anwesen in Florida, das er sich vom Geld seiner Schäfchen gegönnt hatte, verhaftet und wegen Untreue vor Gericht gestellt und verurteilt.
Seitdem haben die übrigen Pretender ein leichtes Glaubwürdigkeitsproblem.

 

Die Ranger äußern sich übrigens niemals zu ihren Nachahmern. Ihre Antwort auf die Frage, ob sie sich den Menschen jemals zu erkennen geben würden, lautet: Nein.