Wie es ist

Der Mensch hat sich die Erde untertan gemacht.

 

Wir pferchen Tiere in viel zu kleine Ställe, um billiges Fleisch zu produzieren. Wir transportieren Tiere unter unerträglichen Bedingengen über Tausende von Kilometern quer über den Kontient, weil die Aufzucht oder das Schlachten woanders billiger ist. Wir lernen zwar immer mehr darüber, dass auch Tiere Intelligenz zeigen, dass auch sie leiden und Gefühle haben. Das ändert nichts daran, dass sie für Menschen vor allem eine sind: Nahrung.

 

Jedes Jahr werden je nach Schätzung zwischen 60.000 und 130.000 km² – ein Gebiet von der Größe Griechenlands – Regenwald vernichtet. An seiner Stelle entstehen Weiden für die Rinderzucht und Monokulturen für Soja oder Palmöl, die vor allem den Bedarf der reichen Industrienationen decken sollen. Dort, wo Erdöl oder andere Rohstoffe gefunden und gefördert werden, wird der Boden nachhaltig verseucht. Fracking vergiftet das Grundwasser.

Überall auf der Welt schädigt intensive Landwirtschaft den Boden durch Einsatz von Düngemitteln, Pestiziden und Herbiziden sowie durch die Bearbeitung mit immer schwereren Maschinen nachhaltig. In einem Wald, der mit mit schwerem Gerät bearbeitet wird, wird der Boden erst nach der nächsten Eiszeit wieder so fruchtbar sein wie vorher.

 

Auf den Weltmeeren bilden sich kontinentgroße Teppiche aus Kunststoffmüll. Selbst im elftausend Meter tiefen Marianengraben entdeckte ein Forscher die Reste einer zerrissenen Plastiktüte. Durch die Erwärmung der Meere sterben Korallenriffe. Durch Überfischung sind viele Fischarten vom Aussterben bedroht. Aggressive Fangmethoden wie das Fischen mit Schleppnetzen oder Sprengstoff vernichten jeden Tag der Lebensraum von Millionen Meerestieren.

 

In den letzten 40 Jahren sind die Bestände bei über 14.000 Wirbeltier-Populationen um fast 60 % zurückgegangen. Besonders stark betroffen sind die Süßwasserarten, deren Bestände in diesem Zeitraum weltweit im Schnitt um 81 % geschrumpft sind. In den kommenden Jahren und Jahrzehnten sind rund eine Million Arten vom Austerben bedroht.

Die Wandertaube, einst eine der häufigsten Vogelarten der Welt, wurde vom Menschen komplett ausgerottet. Im Jahr 1914 starb das letzte Exemplar dieser Art in Gefangenschaft.

 

Rund 88 % der Blütenpflanzen in den gemäßigten Breiten werden durch Insekten bestäubt. Mehr als 75% der weltweit meistgehandelten Nahrungspflanzen brauchen tierische Bestäuber. Mehr als 35% der globalen Nahrungsmittelproduktion ist der Bestäubung durch Insekten abhängig. Die große Mehrheit der Bestäuber sind Wildinsekten. In den letzten 25 Jahren ist die Biomasse an Insekten in manchen Regionen der Welt um 80% gesunken. Die westliche Honigbiene ist der am stärksten verbreitete, vom Menschen genutzte Bestäuber. Durch den massiven Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft starben in den USA zwischen 1947 und 2005 59% der Honigbienenvölker. Im Hauptobstanbaugebiet in China leben seit 25 Jahren keine Bienen mehr. Menschen übernehmen ihre Arbeit beim Bestäuben der Blüten.

Ein Bienenvolk kann pro Tag bis zu 300 Millionen Blüten bestäuben.

Für dieselbe Arbeitsleistung bräuchte man 1500 Menschen.

 

Seit dem Bericht des Club of Rome aus dem Jahr 1972, in dem von den Grenzen des Wachstums gewarnt wurde, hat die Menschheit keine ernstzunehmenden Anstrengungen unternommen, um dem sich abzeichnenden Kollaps etwas entgegenzusetzen.

Ökonomisches Wachstum gilt nach wie vor als das höchste Ziel.

 

Die Erhöhung der globalen Temperatur, die Vermüllung der Welt, Ausbeutung und Missachtung der Menschenrechte werden dafür in Kauf genommen. Der Klimawandel wäre noch aufzuhalten, doch niemand von den Entscheidern hat wirklich ein Interesse daran. Es wäre zu teuer. Die Kosten werden lieber den nachfolgenden Generationen auferlegt – und den Menschen in den Teilen der Welt, die von der Macht ausgeschlossen sind.

 

Der Mensch ist des Menschen Wolf

Jährlich sterben Millionen Menschen durch Gewalt – durch Schusswaffen, durch Kriege, durch häusliche Gewalt. Millionen Kinder verhungern, sie sterben an Krankheiten, die längst heilbar sind, oder an verschmutzter Luft.

 

Jeder Mensch im Westen hat rund 60 persönliche Sklaven, die in anderen Teilen der Welt für ihn schuften.

Der Reichtum des Westens ist nur möglich durch die Armut und das Leiden des Rests der Welt.

 

Der Mensch ist dabei, den gesamten Planeten auf lange Zeit in eine unwirtliche Wüste zu verwandeln. Und das, obwohl jeder, der die Augen aufmacht, sehen kann, was tagtäglich passiert. Profite zählen mehr als Menschenleben, vom Leben der Pflanzen und Tiere ganz zu schweigen. Der Umweltschutz, der den Menschen in den reichen Industrienationen eine heile Welt vorgaukelt und ihr Gewissen beruhigt – mit blauem Himmel, renaturierten Auen und geschützten Urwäldern auf europäischem Boden – macht spätestens an den Grenzen der unterentwickelten Staaten Halt. Ölmultis wie Shell und Chevron verwandeln täglich Flächen von der Größe halber Königreiche in Mondlandschaften, in denen die Menschen und Tiere wie Fliegen sterben. Die Urwälder, in Europa geschützt und behütet, werden in anderen Teilen der Welt abgeholzt, um Futtersoja für den wachsenden Fleischbedarf in den reichen Ländern anzubauen.

 

Dazu kommt die ungeheure Menge an Menschen auf diesem Planeten. Langsam wird es eng, und manchmal hat es den Anschein, sie würden wie wild um sich beißen und sich um die letzten Happen dieses Planeten prügeln. Doch Kriege und Gewalt gab es schon lange, bevor die Weltbevölkerung explodierte, und es noch genügend Platz für alle gab. Es lässt sich nicht leugnen – der Mensch kann grausam sein, vor allem, wenn man ihn unter Druck setzt. Aber manchmal auch ohne einen offensichtlichen Grund oder aus Gründen, die im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar sind.