Kira

Anfang bei Null

Ich lebe ohne Körper, und doch ist da immer noch dieses Gefühl: Ich.

Ein Kern, klein und winzig, fast nicht existent.

 

Diese Freiheit! Diese Weite!

Sehen ohne Augen.

Hören ohne Ohren.

Spüren ohne Sinne.

 

Ich bin eins mit allem. Das Wissen über das Wesen aller Dinge durchdringt mich. Ein tiefer Frieden erfasst mich.

 

Ich sehe andere Seelen.

Ich kenne sie, seit ewigen Zeiten schon.

Ich lausche. Ich lache.

 

Ich erinnere mich an mein letztes Leben.

Ich habe gekämpft und bin gescheitert.

Scham und Trauer trieben mich zu meinem letzten Schritt.

 

Jetzt bin ich frei.

Frei, zu gehen, wohin ich will.

Frei zu sein, zu werden, wer ich will.

Frei zu sein, mich erneut zu binden.

 

Ich beobachte Mila. Sie kämpft. Sie ist noch am Leben, doch ich sehe die Zukunft, die ihr bevorsteht: Sie wird übrig bleiben. Allein.

Ich möchte für sie da sein. 

 

Ich weiß, dass sie einen Hund sucht. Sie spricht mit Jonas darüber, und ich weiß, was ich zu tun habe.

 

Die Hündin ist unruhig. Gleich ist es soweit, sie wird zum dritten Mal Junge zur Welt bringen.

Ich stehe bereit. Zusammen mit anderen Seelen warte ich auf meinen Einsatz. Ich freue mich auf Mila.

Da! Mein neuer Körper wird geboren.

 

 

 

 

 

Alles ist dunkel.

Und laut.

Und schmerzhaft.

Wo bin ich?

Wer bin ich?

Eine warme, feuchte Zunge leckt mich ab.

Mein erstes Gefühl nach der Angst: Geborgenheit.

 

Mein Leben beginnt.