Aufräumen

Fünf Jahre nach der ersten Botschaft, als sich abzeichnete, dass die Menschheit möglicherweise tatsächlich aussterben könnte, wurde die Initiative Aufräumen gegründet. Engagierte Einzelpersonen setzten sich zusammen, um einen Plan zu entwickeln, wie der Mensch in der Zeit, die ihm auf diesem Planeten bleibt, dazu nutzen kann, seinen Müll so gut es geht wieder zu vernichten.

 

Nicht wenige Menschen waren der Ansicht, dass man sich diese Arbeit ruhig sparen könnte. Die Natur würde es schon richten. Die Häuser würden verfallen, auf den Straßen würden Gräser und Bäume durch den Asphalt brechen, die Tiere würden sich die neu entstehenden Lebensräume zurückerobern.

 

Doch so einfach ist es nicht.

 

Was wird aus den Atomkraftwerken, den Stahlwerken, den großen Produktionsanlagen der Industrie? Wohin mit den Millionen Tonnen Chemikalien, mit den Raffinerien, den Kunststoffen, die noch nicht als Müll die Umwelt vergifteten? Es gibt Hochrechnungen, wie lange es dauern wird, bis die letzten Spuren des Menschen auf diesem Planeten verschwunden sind. Wie es weitergeht, wenn die Menschen nicht mehr da sind. Dabei ist es ein gewaltiger Unterschied, ob die Menschen von einem Tag auf den anderen verschwinden oder ob sie vorher die Weichen stellen, die es der Erde ermöglichen, möglichst schnell wieder zu gesunden.

 

Dieses Ziel setzten sich die Gründerinnen und Gründer von Aufräumen, für das sie rasch viele Unterstützer fanden. Zunächst waren es hauptsächlich Einzelpersonen, doch schon bald schlossen sich die meisten Umweltinitiativen der Bewegung an. Je weiter die Geburtenrate sank, je weniger Kinder geboren wurden, desto mehr Menschen wurden aufgerüttelt und wollten die Aktivisten von Aufräumen unterstützen. Einflussreiche Stiftungen und Vereine, die sich auch bisher schon um das Wohl der Menschen oder der Umwelt gekümmert hatten, ließen sich von dem Konzept überzeugen. Reiche, denen klar war, dass sie ihr Vermögen niemandem mehr hinterlassen konnten, spendeten Unsummen; Techniker, Ingenieure und Wissenschaftler entwickelten Konzepte zum Rückbau alter Industrieanlagen, zur gezielten Vernichtung von Chemikalien oder zum Abbau von Kunststoffen.

 

Die Industrie reagierte gespalten. In der Anfangszeit lief die Wirtschaft noch, der starke Geburtenrückgang hatte noch keinen nennenswerten Einfluss auf die wirtschaftliche Produktion. Warum also Teile der Werke stilllegen, solange sich damit noch gutes Geld verdienen ließ, das den Anlegern saftige Renditen bescherte? Zwar gab es schon in den ersten Jahren Manager und Konzernchefs, die vernünftig genug waren, mit den Experten von Aufräumen zusammenzuarbeiten, doch die meisten weigerten sich.

 

Auch von der Politik bekam Aufräumen zunächst keine Unterstützung. Man warf den Aktivisten Panikmache und Technikfeindlichkeit vor und dass sie die großen Industrieanlagen aus einem rückwärtsgewandten Naturidealismus heraus zerstören wollten.